Sonntag, 21. November 2010

Freitag in Valparaiso

Am Freitag war ich von der Schule befreit (schrecklichen Sportunterricht mit stundenlangem Joggen bei praller Sonne verpasst!), denn es gab eine Aktion des Rotaryclubs.

Wir sind mit Kindern (10-14 Jahre alt) von verschiedenen armen Schulen in Talagante nach Valaparaiso gefahren. Als wir Austauschschueler ankamen, gab es erstmal ein riesiges Staunen, denn wir stachen deutlich aus der Menge raus mit unseren blonden Haaren.
Die am Anfang vorherrschende Schuechternheit loeste sich im Bus auf dem Weg nach Valparaiso ganz schnell in Luft auf. Alle Kinder bestuermten uns mit Fragen und ich musste mir sehr oft irgendwas auf Deutsch aus den Fingern saugen, damit sie hoeren konnten wie sich Deutsch anhoert.
Ich hatte ganz schnell viele kleien Maedchen um mich herum, die dann begannen mir Reaggaton-Lieder beizubringen und laut im Bus sangen. Es war sehr witzig.
Mitten im Singen merkte ich ploetzlich ein Zupfen an meinem Kopf, die Maedchen hinter mir versuchten, mir heimlich ein Haar zu klauen. Das hat mich sehr ueberrascht. Sie haben mich dann ganz lieb gefragt, ob sie ein Haar von mir haben koennen und ich habe ihnen diesen Wunsch natuerlich (wenn auch irritiert) erfuellt. Den ganzen Tag wurde in meinen Haaren rumgefummelt und ich war am Ende des Tages ueberrascht, dass ich noch Haare hatte ;)
Die Kinder haben ganz viele Sachen aus ihrem Leben erzaehlt, das war teilweise wirklich schockierend. Fuer viele der Kinder war es das erste Mal, dass sie nach Valparaiso gefahren sind. Und das obwohl sie nur anderthalb Stunden entfernt wohnen...
In Valparaiso haben wir ein Museum angeschaut, Kriegsschiffe besichtigt und Mittag gegessen.
Der Tag war wirklich schoen und es wurden uns die Augen geoeffnet, dass es hier in Chile noch eine andere Welt gibt. Wir kennen nur die Oberschicht und uns war einfach nicht klar, dass es so krasse Armut hier gibt. Das Einzige, was ich nach diesem Tag will ist helfen!

Donnerstag, 18. November 2010

Mal wieder.

Mmh. Ich muss schon sagen, ich bin recht enttäuscht. Als ich ins Auslandsjahr gegangen bin, war ich fest entschlossen, dass ich regelmäßig meinen Blog schreiben werde und jetzt bekomme ich das auch nicht hin. Es ist aber einfach so, dass es immer so viele Dinge zu tun gibt, man immer was vorhat und ab und an brauche ich dann auch mal eine Auszeit ;)

Der Frühling ist jetzt voll da und es ist einfach ganz anders als in Deutschland. Morgens hängt hier der Nebel ganz tief und man denkt, dass man sich schön einpacken muss. In der Schule zittert man dann erst noch ein bisschen bei grauem Himmel, doch spätestens ab der 2. Pause klart es auf und es wird rasend schnell heiß und sehr sonnig. Unser Mittagessen nehmen wir dann entspannt im Halbschatten sitzend ein und freuen uns schon auf die heimischen Pools. Wenn ich dann zu Hause ankomme, gehe ich oft schnurstracks in den Pool... Im Haus ist es zum Glück dank irgendwelcher Vorrichtungen nicht so warm, sondern erfrischend kühl.

In der Schule stehen jetzt bald die Abschlussprüfungen an, in denen der Stoff aus dem ganzen Jahr abgefragt wird und die jeweils doppelt zählen. Ich mache wahrscheinlich nur die Prüfungen in Englisch und Spanisch mit.
Meine Klasse in der Schule ist supertoll. Wir sind 30 und es gibt kaum Gruppenbildung, alle kennen sich seit mindestens 10 Jahren und entsprechend entspannt gehen sie miteinander um.
Heute hatten wir alle Religion (katholisch logischerweise) und es wurde ein Referat über Sterbenshilfe und ein anderes über Abtreibung gehalten. Es wurde jeweils Pro und Kontra vorgestellt und danach eine offene Diskussion begonnen. Das war sehr interessant, denn in Chile ist beides noch verboten und ist ständig in der Diskussion. Alle waren sehr offen und wir haben eine interessante Diskussion geführt.

Meine Gastmutter ruft gerade sehr lautstark nach mir, denn es gibt jetzt (21:39!) Abendessen.
Buenas noches!

Donnerstag, 4. November 2010

Halloween und Oktoberfest

Blick aus einem der Fenster
Gerade finde ich mal wieder Zeit etwas zu schreiben, denn ich bin etwas krank und bin zum Auskurieren zu Hause geblieben. Eine kleine Frühlingserkältung ;)

Am Wochenende war ich mit 15 Mädchen aus meinem Jahrgang zum Halloweenfeiern in Viña del Mar. Wir sind Samstagmorgen bei strahlendem Sonnenschein angekommen. Da die anderen Mädchen noch nicht angekommen waren, bin ich mit einer Amerikanerin und ihrer Gastmutter auf den Markt für Gemüse und Obst gegangen. Wie man ja vielleicht merkt, da ich immer von Ferias erzähle, ich liebe sie! Wir sind aus dem Auto gestiegen, haben uns zwei riesige Plastikbeutel geschnappt und sind in die fremde Welt eingetaucht. Wir liefen von Stand zu Stand, verglichen Preise und probierten hier mal eine Orange und da mal eine Erdbeere.
Ich war mal wieder fasziniert, wie billig die Ferias sind. Wir haben für umgerechnet 2 Euro 5 kg Kartoffeln, viele Möhren und viele Zwiebeln gekauft.

Nach einem Mittagessen in der traumhaften Ferienwohnung (Meerblick aus allen Fenstern, hell, strahlend, sonnig) von Marins Familie, sind wir dann zur Wohnung unserer Freundin aufgebrochen. Dort trafen wir auf eine Meute lustiger Chileninen. Das ganze folgende lange Wochenende war sehr laut, lustig, mit viel Lachen, Tanzen und einfach ganz viel Spaß. Am Sonntagmittag waren wir alle am Strand von Viña del Mar und haben erstmal richtig schön Sonne getankt bei 30 Grad. Da gab es außerdem auch eine Feria (ja!), da habe ich für 100 pesos (umgerechnet ungefähr 14 Cent) Ohrringe erstanden. Sonntagabend wurde sich dann verkleidet  und wir haben eine sehr spaßige Halloweennacht verbracht.
Las gatitas
Als ich dann Montagabend wiederkam, war ich völlig übermüdet, aber sehr zufrieden. Wir wollen so ein Wochenende auf jeden Fall nochmal wiederholen.
 

Gestern gab es dann ein Treffen mit den anderen Austauschschülern und unserer Councellerin. Wir sind zusammen aufs "Oktoberfest" gegangen. Es wird veranstaltet von einem Restaurant, das deutsche betreiben, "Der Münchner". Ich hatte keine große Erwartungen an das Fest, denn ich bin ja schon sehr interessanten "typisch deutschen" Sachen hier begegnet. Es gab eine Band, die ab und zu mal ein deutsches Lied gespielt haben. Das waren dann aber so schlimmer Lieder wie "Zicke-Zacke". Außerdem gab es ganz viele Bierstände mit vereinzelt deutschem Bier, eine Kirmes und eine Feria. Also alles in allem nicht sehr deutsch, aber wir hatten zusammen doch eine schöne Zeit auf dem "Oktoberfest".

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Von Tag zu Tag

Den dringlichen Wünschen folgend, werde ich jetzt mal wieder einen schön ausformulierten Post schreiben.
Am letzten Samstag war ich das erste Mal auf einer "formalen" Party. Dieses Motto bedeutete dann für alle, dass wir uns in feine Klamotten schmeißen mussten. Alle Mädchen erschienen in kurzen Kleidchen (trotz der echt kalten Nacht!) und die Jungs in Anzug. Das war mal was ganz anderes. Die Party war zum 18. Geburtstag von 2 Jungen aus Cuarto (entspricht 12. Klasse). Daher waren ganz viele Leute da. Wir haben die ganze Nacht getanzt, Spaß gehabt, neue Leute kennengelernt und viel gelacht. Die Musik war sehr beherrscht von Reggaeton, aber daran habe ich mich schon (fast) gewöhnt.
Am Montag wurde ich dann wieder mit "Always where I need to be" um 7:00h zur Schule geweckt. Der Alltag rief.
Schule ist im Allgemeinen sehr entspannt: die Lehrer erwarten nicht viel von mir, ich muss mich also nur aufs Sprachelernen konzentrieren, wir gucken viele Filme (heute "Shutter Island" in Psychologie) und meine Compañeros sind toll. 
Mein Lieblingsfächer hier sind Biologie, Physik und Lenguaje. 

In Bio haben wir einen etwas seltsamen Lehrer. In der letzten Stunde blieb er mitten im Reden über die Evolution am Fenster stehen und starrte minutenlang sprachlos raus. Dann meinte er: "Sind Blätter nicht faszinierend? Dieses Grün, die Adern..." Außerdem hat er eine Vorliebe, Vögel nachzuahmen. Er stellt sich ernsthaft vor die Klasse, schwingt seine Arme wie Flügel und macht dazu die passenden Geräusche. Ich kann nur sagen, Biologie ist niemals langweilig mit ihm.

In Physik habe ich einen Lehrer, den ich jetzt einfach mal so auf 80 schätzen würde. Er hat die Rente bestimmt abgelehnt, denn er liebt Physik. Mir wurde gesagt, dass er zur Physikelite in Chile gehört und das merkt man auch in seinem Unterricht. Es ist zwar echt schwer, aber er kümmert sich immer ganz lieb um die "Gringa de Alemania". Er fragt mich in jeder Stunde, wie es mir geht und redet ganz süß mit mir.

Lenguaje ist so das Gegenstück zu dem Deutschunterricht in Deutschland. Wir lesen Bücher, schreiben Aufsätze und diskutieren. Das ist zwar echt schwer in Spanisch, aber ich liebe meinen Lehrer. Er ist mein Klassenlehrer und rockt einfach. Er ist noch voll jugendlich, hört Rammstein (Minuspunkt!) und versucht sich mit Deutsch.

Die Schule in Chile ist von den Anforderungen her sehr ähnlich wie die deutsche Schule. Nur Englisch ist viel einfacher und in Mathe sind sie auch ein bisschen weniger weit. 
Gut, das war es auch schon wieder, denn ich muss jetzt zu Abend essen ;)
Buenas noches!

Montag, 18. Oktober 2010

Ein sonniger Sonntag

in der Mall

Freitag
Schulfrei -  morgens entspannt -  mittags entspannt -  nachmittags entspannt - abends zum Flughafen, um meinen papá abzuholen - auf der Rückfahrt eine kleine Autopanne gehabt -  spätabends mit der ganzen Familie "Agent Salt" gesehen

Samstag:
morgens mit den Mädels nach Santiago- kleine Hundebabys besucht - in der Mall shoppen gegangen - die besten Pommes der Welt mit Knoblauchsoße gegessen - nachmittags mit Freundinnen Kleiderfrage für den Abend geklärt - entspannt - abends fertiggemacht - Party

Sonntag:
geschlafen - am Pool enstpannt - Sonne getankt - zu einem Mittagessen (Asado=Grillen) gegangen - es wurde bis in den Abend ausgedehnt - jetzt entspanne ich gerade mit MTV ("Jersey Shore"+"My life as Liz")

Wetter: strahlender Sonnenschein und mindestens 28 Grad
Laune: alles gut, bin aber kaputt, nach einer sehr guten Party gestern ;)
Vorsätze: ein liebes Mädchen sein
News: Ich habe die Eintrittskarten für Creamfields in der Hand! Das ist ein riesiges Elektronik-Festival, da kommen David Guetta, Paul van Dyk (...) und gaaanz viele Leute.
Tagesfazit: Sonne tut gut!

Freitag, 15. Oktober 2010

Der Tag danach

Also, es sollten ja gestern alle mitbekommen haben: Die Mineros sind geborgen!
Seit vorgestern Abend gab es nichts anderes mehr im Fernsehen. Wir haben sogar im Unterricht (Psychologie) die Bergung eines Mineros gesehen. Es war aber auch ein ganz besonderes Erlebnis. Bei den ersten Bergungen und den darauf folgenden Wiedersehen haben viele geweint.
Jetzt sind alle fast noch verrückter, es soll einen Film geben, die Mineros sollen Fußballpartien spielen, werden ganz viel eingeladen und immer von den Medien verfolgt.
Als ich gerade auf dem Weg in mein Zimmer war, habe ich von unten eine bekannte, deutsche Stimme gehört. Reden vieler internationaler Politiker wurden zusammengeschnitten und folglich war hier im chilenische Fernsehen Merkel zu sehen!

Wetter: kaaaaaaalt und bewölkt
Laune: bestens, mit einem tollen Wochenende im Ausblick (Santiago,Party,Tennis,Freunde)
Vorsätze: immer noch Gitarrensaiten kaufen
News: Morgen habe ich schulfrei ("Día del Profesor")!
Tagesfazit: Musik macht auch das fieseste Wetter zunichte!